Sicherheitsglas

Definition

Sicherheitsglas bezeichnet Glasscheiben, die besondere Sicherheitsmerkmale aufweisen. Man unterscheidet zwischen sogenanntem Einscheibensicherheitsglas (ESG) und Verbundsicherheitsglas (VSG).

Einscheibensicherheitsglas (ESG)

Definition

Einscheibensicherheitsglas ist ein Sicherheitsglas, das aus einer besonders wärmebehandelten Scheibe besteht, deren Belastbarkeit durch den Prozess des thermischen Vorspannens verbessert wird.

Eigenschaften

Einscheibensicherheitsglas zeichnet sich im Vergleich zu herkömmlichen Glasscheiben durch wesentlich erhöhte Schlag-, Biege- und Zugfestigkeit aus. Bei Temperaturwechsel ist es zudem beständiger als normales Glas. Außerdem ist die Verletzungsgefahr bei Einscheibensicherheitsglas geringer, da es in viele kleine, stumpfkantige Scherben zerfällt, sollten die Scheiben bei sehr hoher Belastung zerbrechen. Nicht ohne Grund wird ESG seit Jahrzehnten im Automobilbau eingesetzt, um etwaigen Schnitt- und Stoßverletzungen vorzubeugen.

Nach erfolgtem Vorspannen können Kanten oder Flächen des ESG nicht mehr bearbeitet werden. Bearbeitungen wie das Schleifen bzw. Polieren der Kanten, Lochbohrungen oder Eckausschnitte müssen vor dem Vorspannprozess durchgeführt werden.

Bei normalem ESG kann es durch korrodierende Nickel(II)-Sulfideinschlüssen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu Spontanbrüchen nach der Herstellung kommen. Um das Auftreten dieser Brüche erheblich zu reduzieren, wird das ESG im Rahmen des Heißlagerungstestes geprüft. Dieser Test sieht vor, dass das ESG über mehrere Stunden hinweg Temperaturen von 280 bis 300 Grad Celsius ausgesetzt. Scheiben, die diesen Heißlagerungstest erfolgreich bestehen, weisen nur eine äußerst geringe Wahrscheinlichkeit eines Spontanbruchs auf und können als ESG-H-Glas bezeichnet werden.

Herstellung

Während der Herstellung wird das Glas auf Temperaturen oberhalb seiner Transformationstemperatur erhitzt und daraufhin schlagartig abgekühlt. Die oberflächennahen Zonen des erhitzten Glases kühlen sich dabei schneller ab als der Kern. Dadurch kommt im Inneren eine Zugspannung und in der Oberfläche eine Druckspannung zu Stande. Die Spannungen gleichen sich derartig aus, dass die gewünschte Belastbarkeit erzielt wird. Durch Zerstörung wird dieses Spannungsgleichgewicht aufgelöst und die Scheibe zerbricht in viele, kleine Bruchstücke.

Verbundsicherheitsglas (VSG)

Definition

Verbundsicherheitsglas ist ein Sicherheitsglas, das aus einem Verbund aus zwei oder mehreren Flachglasscheiben besteht, die mit einer äußerst reißfesten und zähelastischen Folie als Zwischenschicht verbunden sind.

Eigenschaften

Verbundsicherheitsglas wird als splitterbindend bezeichnet. Damit ist gemeint, dass im Falle mechanischer Überbelastung wie einem Schlag, Stoß oder Beschuss das Glas zwar zerbricht, die entstehenden Bruchstücke aber an der reißfesten Folie haften bleiben. Lose, scharfkantige Splitter können bei VSG folglich nicht entstehen. Dadurch wird die Verletzungsgefahr erheblich reduziert und je nach Ausbaustufe ein-, ausbruchs- oder beschusshemmend.

Neben Einbruchsschutz und deutlich höherer Schalldämmung weist VSG auch eine besondere Resttragfähigkeit auf, da auch bei einer teilweisen Zerstörung das Glas weiterhin seine Schutzwirkung besitzt. Von daher wird VSG eingesetzt, wenn die Öffnung auch im Schadensfall verschlossen bleiben soll und ein Herabfallen möglicher Scherben verhindert werden soll. Deswegen wird VSG unter anderem im Wohnbereich, bei Schulen, Kindergärten oder Hallenbädern, bei vor Absturz sichernden Gläsern und für Überkopfverglasungen wie bei einem Wintergarten verbaut.

Herstellung

Zunächst werden die Scheibenoberflächen gereinigt. Anschließend werden die Glastafeln und PVB(Polyvinylbutyral)-Folien aufeinandergelegt und erwärmt. Durch Walzen werden Glas und Folie zum Vorverbund zusammengepresst und danach in einem sogenannten Autoklaven, einem gasdicht verschließbaren Druckbehälter, weiterbehandelt. Dort werden Sie unter Druck und Hitze dauerhaft miteinander verbunden. Zum Schluss können die Bearbeitungen der Glaskante (u.a. Schleifen oder Polieren) und der Glasoberfläche (z.B. Lochbohrungen) vorgenommen werden.

Anwendungsbereiche und Richtlinien

In den folgenden Tabellen sind die verschiedenen Widerstandsklassen von Verglasungen bzw. Fenster nach VdS-Richtlinien und europäischen Normen und jeweilig mögliche Anwendungsbereiche enthalten:

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